Christian Morgenstern war ein deutscher Dichter, Schriftsteller und Übersetzer, der am 6. Mai 1871 in München geboren wurde und am 31. März 1914 verstarb. Er kam in der Maxvorstadt zur Welt, als Sohn von Charlotte Morgenstern, geborene Schertel, und Carl Ernst Morgenstern. Sein Vater und sein Großvater väterlicherseits, Christian Morgenstern, waren Landschaftsmaler. Als Morgenstern neun Jahre alt war, starb seine Mutter an Tuberkulose, womit er sich offenbar bei ihr angesteckt hatte. Er wurde seinem Taufpaten, einem Kunsthändler in Hamburg, zur Erziehung anvertraut, kehrte aber später nach München zurück und besuchte ein Internat in Landshut, wo er unter Mobbing litt. Sein Vater heiratete erneut und wurde an die Königliche Kunstschule in Breslau berufen. Dort besuchte Christian das Maria-Magdalenen-Gymnasium und begann, sich intensiv mit Literatur und Philosophie zu beschäftigen. Er freundete sich mit Friedrich Kayssler und Fritz Beblo an, mit denen er eine lebenslange Freundschaft pflegte. Nach dem Besuch einer Militär-Vorbildungsschule studierte Morgenstern Nationalökonomie in Breslau, brach das Studium aber ab, um als Schriftsteller zu leben. Er zog nach Berlin, arbeitete für verschiedene Zeitschriften und begann mit der Arbeit an seiner Dichtung "In Phanta's Schloß". Es folgten Reisen, unter anderem nach Norwegen, wo er die Sprache erlernte und Henrik Ibsen traf, dessen Werke er übersetzte. Ab 1903 arbeitete Morgenstern als Lektor im Verlag von Bruno Cassirer und förderte dort unter anderem Robert Walser. Im Jahr 1905 erschienen seine "Galgenlieder". 1908 lernte Christian Morgenstern Margareta Gosebruch von Liechtenstern kennen, die er 1910 heiratete. Er starb 1914 in Untermais an den Folgen seiner Tuberkulose.
Blödem Volke unverständlich // treiben wir des Lebens Spiel.
Quelle
Galgenberg. In: Alle Galgenlieder. Zürich: Diogenes, 1981. S. 98
Die Ameisen oder Emsen // sind so weit jetzt, dass sie Gemsen // sich als Sklaven halten (aus // Gründen ihres Körperbaus).
Quelle
Im Jahre 19000. In: Alle Galgenlieder. Zürich: Diogenes, 1981. S. 78
Ein Wiesel // saß auf einem Kiesel // Inmitten Bachgeriesel. // Wisst ihr // weshalb? // Das Mondkalb // verriet es mir // Im Stillen: // Das raffinier- // te Tier // tatʼs um des Reimes willen.
Quelle
Das ästhetische Wiesel. Aus: Alle Galgenlieder. Zürich: Diogenes 1981, S. 36
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Es gibt ein sehr probates Mittel, // die Zeit zu halten am Schlawittel: // Man nimmt die Taschenuhr zur Hand // und folgt dem Zeiger unverwandt.
Quelle
Palmström, Die Zeit. Aus: Ausgewählte Werke. Hg. von Klaus Schuhmann, Leipzig: Insel, 1975. S. 310
Es ist Nacht, // und mein Herz kommt zu dir, // hältʼs nicht aus, // hältʼs nicht aus mehr bei mir.
Quelle
Es ist Nacht. In: Werke und Briefe : Stuttgarter Ausgabe; kommentierte Ausgabe. Band 2: Lyrik: 1906-1914, hrsg. von Martin Kießig. Stuttgart : Urachhaus, 1992, S. 160 ISBN 3-87838-502-1
Ich liebe dich, du Seele, die da irrt // im Thal des Lebens nach dem rechten Glücke.
Quelle
Ich liebe Dich. In: Und aber ründet sich ein Kranz. Berlin: S. Fischer, 1902
In Dank verschlingt sich alles Sein.
Quelle
Die Fußwaschung. In: Wir fanden einen Pfad. München: R. Piper & Co., 1914, S. 57
Mein kleiner Wecker tickt und tickt.
Quelle
O Zeit und Ewigkeit. In: Sämtliche Dichtungen. Abteilung 1, Band 7, Basel 1971–1973, S. 7. zeno.org
Ruhe, Ruhe, tiefe Ruhe. // Lautlos schlummern Menschen, Tiere. // Nur des Gipfels Gletschertruhe // schüttet talwärts ihre // Wasser.
Quelle
Wasserfall bei Nacht, In: Wir fanden einen Pfad, München: R. Piper & Co., 1914. S. 74-75
Weil, so schließt er messerscharf, // nicht sein , was nicht sein .
Quelle
Die unmögliche Tatsache. In: Palmström. Alle Galgenlieder. Diogenes 1981, S. 164, und in: Palmström. Bruno Cassirer 1922, S. 27 archive.org
Wer vom Ziel nicht weiß, // kann den Weg nicht haben, // wird im selben Kreis // all sein Leben traben.
Quelle
Wer vom Ziel nichts weiß. In: Wir fanden einen Pfad. München: R. Piper & Co., 1914, S. 40
Alle wahrhaft große Dichtungen sind Variationen zum Schicksalsliede, seien es Maestosi, Allegri oder Scherzi.
Quelle
Kunst 1894. In: Stufen (1922), S. 56
Alles Denken ist Zurechtmachen.
Quelle
Erkennen 1906. In: Stufen (1922), S. 205
Alles muß allem dienen. Es gibt im letzten Sinne keine Ungerechtigkeit.
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Ethisches 1906. In: Stufen (1922), S. 140
Darum können Zeitungen so sehr schaden, weil sie den Geist so unsäglich dezentrieren, recht eigentlich zerstreuen.
Quelle
Psychologisches 1909. In: Stufen (1922), S. 197
Das Ich ist die Spitze eines Kegels, dessen Boden das All ist.
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Weltbild: Anstieg 1895. In: Stufen (1922), S. 218
Der Körper, der Übersetzer der Seele (Gottes) ins Sichtbare.
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Weltbild: Episode, Tagebuch eines Mystikers 1906. In: Stufen (1922), S. 240 gutenberg.spiegel.de
Der Welt Schlüssel heißt Demut. Ohne ihn ist alles Klopfen, Horchen, Spähen umsonst.
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Ethisches 1910. In: Stufen (1922), S. 151
Die beste Erziehungsmethode für ein Kind ist, ihm eine gute Mutter zu verschaffen.
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Erziehung Selbsterziehung 1910. In: Stufen (1922), S. 170
Die meisten wissen gar nicht, was sie für ein Tempo haben könnten, wenn sie sich nur einmal den Schlaf aus den Augen rieben.
Quelle
Psychologisches 1909. In: Stufen (1922), S. 197
Ein Hauptzug aller Pädagogik: Unbemerkt führen.
Quelle
Erziehung Selbsterziehung 1911. In: Stufen (1922), S. 174
Eine Karikatur ist bloß immer einen Augenblick wahr.
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Kunst 1906. In: Stufen (1922), S. 63
Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist. Nicht an den Wahrheiten liegt es daher, wenn die Menschen noch so voller Unweisheit sind.
Quelle
Lebensweisheit 1910. In: Stufen (1922), S. 162
Es gibt für Unzählige nur ein Heilmittel - die Katastrophe.
Quelle
Lebensweisheit 1910. In: Stufen (1922), S. 162
Es gibt keine Grenzen der Dinge.
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Weltbild: Anstieg 1895. In: Stufen (1922), S. 217
Es gibt nichts, das ich Mir nicht vergeben könnte, und nichts, das ich nicht überwinden möchte.
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Weltbild: Episode, Tagebuch eines Mystikers 1906. In: Stufen (1922), S. 232
Es ist schön, zu denken, daß so viele Menschen heilig sind in den Augen derer, die sie lieben.
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Psychologisches 1897. In: Stufen (1922), S. 177
Gespräch ist gegenseitige distanzierte Berührung.
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Literatur 1907. In: Stufen (1922), S. 80
In dem Maße, wie der Wille und die Fähigkeit zur Selbstkritik steigen, hebt sich auch das Niveau der Kritik am andern.
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Ethisches 1909. In: Stufen (1922), S. 149
Neue Dichter seh ich kommen, nach innen den Blick gerichtet.
Quelle
Kunst 1906. In: Stufen (1922), S. 63
Schönheit ist empfundener Rhythmus. Rhythmus der Wellen, durch die uns alles Außen vermittelt wird. Oder auch: ist eigentlich alles, was man mit Liebe betrachtet. Je mehr jemand die Welt liebt, desto schöner wird er sie finden.
Quelle
Kunst 1895. In: Stufen (1922), S. 57f.
Spannung ist alles und Entladung. Und höchste Lebensweisheit, seine Spannung immer richtig zu entladen.
Quelle
Lebensweisheit 1907. In: Stufen (1922), S. 160
Über den Wassern deiner Seele schwebt unaufhörlich ein dunkler Vogel: Unruhe.
Quelle
Psychologisches 1905. In: Stufen (1922), S. 179
Was ist Religion? Sich in alle Ewigkeit weiter und höher entwickeln zu wollen.
Quelle
Weltbild: Am Tor 1908. In: Stufen (1922), S. 267
Wenn ich etwas an Christus verstehe, so ist es das: »Und er entwich vor ihnen in die Wüste«.
Quelle
In me ipsum 1906. In: Stufen (1922), S. 25
Wenn ich so die kleinen Dampfer die riesigen Kähne vorüberschleppen sehe, muß ich immer an den Dichter und das Publikum denken.
Quelle
Kunst 1895. In: Stufen (1922), S. 57
Wer das Wunder nicht als das Primäre erkennt, leugnet damit die Welt, wie sie ist, und supponiert ihr ein Fabrikspielzeug.
Quelle
Weltbild: Episode, Tagebuch eines Mystikers 1906. In: Stufen (1922), S. 239
Wer die Welt zu sehr liebt, kommt nicht dazu, über sie nachzudenken; wer sie zu wenig liebt, kann nicht gründlich genug über sie denken.
Quelle
Erkennen 1913. In: Stufen (1922), S. 216
Wer die Grausamkeit der Natur und der Menschen einmal erkannt hat, der bemüht sich, selbst in kleinen Dingen wie dem Niedertreten des Grases schonungsvoll zu sein.
Quelle
Ethisches 1905. In: Stufen (1922), S. 140
Wer Gott aufgibt, der löscht die Sonne aus, um mit einer Laterne weiterzuwandeln.
Quelle
Weltbild: Anstieg 1891. In: Stufen (1922), S. 217
Wer sich überhebt, verrät, dass er noch nie genug nachgedacht hat.
Quelle
Psychologisches 1909. In: Stufen (1922), S. 197
Wie ist jede – aber auch jede – Sprache schön, wenn in ihr nicht nur geschwätzt, sondern gesagt wird!
Quelle
Sprache 1909. In: Stufen (1922), S. 106ʼʼChristian Morgenstern wurde in München, Deutschland, geboren.
Bilder zum Thema Christian Morgenstern
Bildnachweis
Bildquelle: 1983_Palmŝtrojmo.jpeg Autor: Wikipedia / Kristiano Morgenŝterno Lizenz: gemeinfrei
Standort: Kruezung Innere Schneeberger Straße / Dr-Friedrich-Ring
Text:
Auch der Baum, auch die Blume warten nicht bloß auf unsere Erkenntnis. Sie werben mit ihrer Schönheit und Weisheit aller Erden um unser Verständnis. Christian Morgenstern. Baumpflanzung des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft und Arbeit und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. zum 9. Tag der Sachsen am 2. September 2000 in Zwickau für die Deutsche Alleenstraße. Schirmherr Staatssekretär Dr. Wolfgang Zeller. Ehrengäste Ministerpräsident Prof. Kurt Biedenkopf Prof. Ludwig Güttler.
Das NSG Forst Zinna Jüterbog-Keilberg befindet sich auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz. Das 7200 Hektar große Gebiet ist die größte zusammenhängende Fläche, die von der Stiftung betreut wird. Ein Wandernetz führt unter anderem zu einer Wanderdüne. Entlang des Wegenetzes zum Wurzelberg soll ein Wildnis-Gedanken-Gang mit Zitaten von Schriftstellen und Philosophen zum Nachdenken anregen.
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