Friedrich Hebbel war ein deutscher Dramatiker, Lyriker und Erzähler, der am 18. März 1813 geboren wurde und am 13. Dezember 1863 verstarb. In seiner Jugend nutzte er das Pseudonym Dr. J. F. Franz. Hebbel kam als Untertan des dänischen Königs zur Welt, da dieser über das Herzogtum Holstein herrschte. Seine Eltern waren ein Maurer und eine Schusterstochter. Als Kind besuchte Hebbel die Volksschule und arbeitete kurz als Maurerlehrling. Die Familie verlor ihr Haus, was ihre Situation verschlechterte. In dieser Zeit schrieb Hebbel seine autobiografische Schrift "Meine Kindheit". Später arbeitete er beim Kirchspielvogt Mohr, wo er vom Laufburschen zum Schreiber aufstieg und Zugang zu dessen Bibliothek hatte. In dieser Zeit entstanden erste Gedichte, die teilweise veröffentlicht wurden. Er baute sogar ein Theater in einer Scheune. Amalie Schoppe förderte ihn und holte ihn nach Hamburg, wo er im Wissenschaftlichen Verein tätig war und Elise Lensing kennenlernte, die ihn unterstützte. Ein Stipendium ermöglichte Hebbel ein Studium in Heidelberg und München, wo er Vorlesungen besuchte und sich mit Joseph Görres anfreundete. Nach dem Tod seiner Mutter kehrte er mittellos nach Hamburg zurück, wo Elise ihn gesundpflegte. Sie gebar 1840 einen gemeinsamen Sohn. Im selben Jahr vollendete er die Tragödie "Judith", die in Berlin uraufgeführt wurde und ihn bekannt machte. Es folgten weitere Werke wie "Genoveva" und die Komödie "Der Diamant". Robert Schumanns Oper "Genoveva" basierte auf Hebbels Drama. Nach einer Gedichtsammlung erhielt Hebbel ein Reisestipendium und reiste nach Paris, wo er Heinrich Heine und Arnold Ruge traf. Er begann an Rheuma zu leiden und schrieb das Trauerspiel "Maria Magdalena". Sein Sohn Max starb in Hamburg. Hebbel zog nach Wien, wo er die Burgschauspielerin Christine Enghaus heiratete. Die Ehe brachte ihm finanzielle Sicherheit und er konnte sich seiner literarischen Arbeit widmen. Er schrieb Dramen wie "Agnes Bernauer", "Gyges und sein Ring" und "Die Nibelungen". Nach der Heirat brach der Briefkontakt zu Elise ab, aber Christine freundete sich mit ihr an. Hebbel engagierte sich sozial und politisch, stand der Monarchie aber loyal gegenüber. Er schilderte in seinen Werken oft tragische Ereignisse und soziale Probleme. Hebbel starb am 13. Dezember 1863 in Wien, nachdem er in seinen letzten Lebensjahren zunehmend an Rheuma litt.
Alles Individualisieren führt zur ewigen inneren Form, von der die äußere nur der Firniß ist, und nur aus der vollendenten Form geht das ʼʼBefreiendeʼʼ hervor.
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Tagebücher 1, 1018 (1838). S. 218f.
Das Leben mit seinen verschiedenen Epochen ist eine Schatzkammer. Wir werden reich in ʼʼjedemʼʼ Gewölbe beschenkt; wie reich, das erkennen wir erst bei Eintritt in das ʼʼnächsteʼʼ Gewölbe.
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Tagebücher 1, 144 (1836). S. 31.
Das Publicum beklatscht ein Sonnen-Aufgang.
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Tagebücher 1, 874 (1837). S. 191.
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Daß die erträglich.
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Tagebücher 1, 1314 (1838). S. 275.
Der Geist wird wohl die Materie los, aber nie die Materie den Geist.
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Tagebücher 1, 1634 (1839). S. 367.
Der Mensch hat freien Willen - d. h. er kann einwilligen inʼs Nothwendige.
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Tagebücher 2, 2504 (1842). S. 155.
Der Mensch ist ein Blinder, der vom Sehen träumt.
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Tagebücher 1, 1421 (1839). S. 306.
Der Mensch kann die Natur nicht erreichen, nur übertreffen; er ist entweder über ihr oder unter ihr.
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Tagebücher 3, 4404 (1848). S. 305.
Der Traum ist der beste Beweis dafür, daß wir nicht so fest in unsere Haut eingeschlossen sind, als es scheint.
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Tagebücher 2, 3045 (1844). S. 380.
Die Edelsten leiden den meisten Schmerz. Auch der Schmerz wählt den besten Boden.
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Tagebücher 2, 2082 (1840). S. 58.
Die lieben Oestreicher! Sie sinnen jetzt darüber nach, wie sie sich mit Deutschland vereinigen können, ohne sich mit Deutschland zu vereinigen!
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Tagebücher 3, 4389 (1848). S. 301.
Die meisten unserer Könige werden konnten.
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Tagebücher 3, 4258 (1847). S. 266.
Du siehst die leuchtende Sternschnuppe nur dann, wenn sie vergeht!
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Sämtliche Werke: Tagebücher, 1. Band (1837). ʼʼMünchen, 3. September 1837ʼʼ. Hist.-krit. Ausgabe besorgt von Richard Maria Werner. Zweite Abteilung. Neue Subskriptions-Ausgabe, 3. unv. Auflage. Berlin: Behr, 1905. nr. 194 [http://books.google.de/books?id=jKmJzW6Hk5IC&q=sternschnuppe books.google], [http://archive.org/stream/tagebcher01werngoog
Ein ißt.
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Tagebücher 1, 1663 (1839). S. 373.
Ein Maitag ist ein kategorischer Imperativ der Freude.
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Tagebücher 1, 1086 (1838). S. 335.
Einige Leute haben ein Herz wie ein Ofen; er ist an sich kalt, aber sie heizen ihn, wenn sich Jemand wärmen will.
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Tagebücher 1, 1782 (1839). S. 399.
Es giebt auch Spiegel, in denen man sehen kann, was Einem fehlt.
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Tagebücher 2, 2354 (1841). S. 116.
Es giebt keine reine Wahrheit, aber eben so wenig einen reinen Irrthum.
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Tagebücher 1, 852 (1839). S. 373.
Es giebt Leute, denen man, wenn sie den einen Stiefel schon anhaben, nicht unbedingt zutrauen darf, daß sie auch den zweiten anziehen werden.
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Tagebücher 3, 4594 (1849). S. 399.
Es giebt Leute, die sich über den Weltuntergang trösten würden, wenn sie ihn nur vorher gesagt hätten.
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Tagebücher 3, 3292 (1845). S. 5.
Es ist möglich, daß der Bösen den Guten. Wenn es ihnen aber wirklich einmal gelingt, ihn zu verdrängen, wird ein Zustand entstehen, in dem sie ihn wieder mit den Nägeln aus dem Grabe kratzen mögten.
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Tagebücher 4, 5780 (1860). S. 158.
Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheiten zu beweisen.
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Tagebücher 3, 4070 (1847). S. 216.
ʼʼBewußtseynʼʼ der Welt.
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Tagebücher 1, 648 (1837). S. 143.
»Gott versteckt sich hinter das, was wir lieben.«
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Tagebücher 2, 2297 (1841). S. 100.
Ich werde nie zum Frühling sagen: verzeihen Sie, Sie haben dort ein welkes Blatt, oder zum Herbst: nehmen Sie es ja nicht übel, dieser Apfel ist nur zur Hälfte roth.
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Tagebücher 3, 3323 (1845). S. 27.
In die Hölle des Lebens kommt nur der hohe Adel der Menschheit; die Andern stehen davor und wärmen sich.
Jeder Mensch besitzt alle Talente, doch nur die hervorragendsten soll er ausbilden. Hier liegt aber der Grund, weshalb so viele hartnäckig ein unerreichbares Ziel verfolgen: sie haben das Gefühl, nicht ganz aufʼm falschen Wege zu seyn.
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Tagebücher 1, 1127 (1838). S. 242.
Jeder Mensch trägt einen Zauber im Gesicht: irgend Einem gefällt er.
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Tagebücher 4, 5874 (1861). S. 184.
Lieben heißt, in dem Anderen sich selbst erobern.
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Tagebücher 2, 1876 (1840). S. 4.
Monologe: laute Athemzüge der Seele.
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Tagebücher 4, 5907 (1861). S. 191.
Nur durch die Liebe kann der Mensch von sich selbst befreit werden.
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Tagebücher 2, 2115 (1810). S. 65.
Schlaf ist ein Hineinkriechen des Menschen in sich selbst.
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Tagebücher 1, 1753 (1839). S. 393.
Sehr oft ist das Wiedersehen erst die rechte Trennung.
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20. April 1835. Tagebücher 1, 24 (1835). S. 8.
Selbst im Fall einer Deutschen sich nur ʼʼSteuerʼʼfreiheit, nie ʼʼGedankenʼʼfreiheit erkämpfen.
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Tagebücher 1, 140 (1836). S. 30.
Sich selbst Etwas Characterlosigkeit.
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Tagebücher 1, 823 (1837). S. 183.
Spielende Kinder sind lebendig gewordene Freuden.
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Tagebücher 3, 4901 (1851). S. 394.
Wer nach den Sternen reisen will, der sehe sich nicht nach Gesellschaft um.
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Tagebücher 1, 1201 (1838). S. 225.
Wie groß ist der Cultur und der Barbarei nach der Cultur!
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Tagebücher 3, 3766a (1846). S. 166.
Wie oft verwechselt man Einfälle mit Ideen!
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Tagebücher 1, 167 (1836). S. 34.
»Wirf weg, damit Du nicht verlierst!« ist die beste Lebensregel.
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Tagebücher 1, 442 (1836). S. 82.
Zwei Hände können sich wohl fassen, aber doch nicht in einander verwachsen. So Individualität zu Individualität.
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Tagebücher 1, 1848 (1839). S. 415.
Zwei Menschen sind immer zwei Extreme.
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Tagebücher 1, 503 (1836). S. 90.
Eckermann erscheint mir keineswegs als ein irgend bedeutender Mensch.
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Brief an Elise Lensing, München d. 13. September 1837. Briefe 1 S. 223.
Was im Mai nicht blüht, wirds im September nicht nachholen.
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Brief an Elise Lensing, Heidelberg am 1. Ostertage 1836. Briefe 1. S. 48.
Dies Oesterreich ist eine kleine Welt, // In der die große ihre Probe hält, // Und waltet erst bei uns das Gleichgewicht, // So wirdʼs auch in der andern wieder licht.
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Prolog zum 26. Februar 1862. (Zu Wien im Operntheater gesprochen.) Vers 97ff. Gedichte S. 421
Ob du dich selber erkennst? Du thust es sicher, sobald du // Mehr Gebrechen an dir, als an den Andern entdeckst.
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Selbsterkenntniß. Gedichte. S. 343
Trotze, so bleibt dir der Sieg.
Quelle
Dem Schmerz sein Recht, 10. Gedichte. S. 293. [http://www.zeno.org/nid/20005010225 zeno.org]
Es ist die Strafe unsrer eignen Jugendsünden, daß wir gegen die unserer Kinder nachsichtig sein müssen.
Quelle
Agnes Bernauer III, 6 / Ernst [http://www.zeno.org/nid/20005015634 zeno.org]
Viel besser, nie verlieren!
Quelle
Die Nibelungen. I, 3, Vers 284. / Kriemhild [http://www.zeno.org/nid/2000501610X zeno.org]
Wer damit anfängt, daß er Allen traut, // Wird damit enden, daß er einen Jeden // Für einen Schurken hält.
Quelle
Demetrius, IV, 1 , Vers 2394ff. / Mniczek [http://www.zeno.org/nid/20005018102 zeno.org]Friedrich Hebbel wurde in Wesselburen, Deutschland, geboren.
No. 4 / Agnes Bernauer / Hr. Franz — Wappen der Pappenheim / in der 1. [?]teilung 2 halbe / u. ein ganzer weißer Hut / in der 2. - 2 weiße u. in der 3. ein weißer Hut auf blauem Feld (Kostümentwurf für Pappenheim in Hebbels Agnes Bernauer)
Bildnachweis
Bildquelle: Friedrich_Hebbel_1898.jpg Autor: Wikipedia / Unknown authorUnknown author Lizenz: gemeinfrei
Friedrich Hebbel (1813–1863), Gemälde von Carl Rahl (1850)
Bildnachweis
Bildquelle: Fritz-Hebbel.jpg Autor: Wikipedia / Carl Rahl Lizenz: gemeinfrei
German: Friedrich Hebbel (* 1813; 1863), deutscher Dramatiker und Lyriker.title QS:P1476,de:"Friedrich Hebbel (* 1813; 1863), deutscher Dramatiker und Lyriker."label QS:Lde,"Friedrich Hebbel (* 1813; 1863), deutscher Dramatiker und Lyriker."
"In's Gebetbuch meiner Tochter zu ihrer Confirmation", eigenhändiges Gedicht mit Unterschrift von Friedrich Hebbel. Ohne Ort, undatiert. 8°. 1 S. Zur Konfirmation der Tochter Christine (1847), also wohl ca. 1861.
In's Gebetbuch meiner Tochter zu ihrer Confirmation.
Das Mägdlein tritt im weißen Feierkleid
Zum ersten Mal vor Gott an den Altar,
Und auch der Greisin hält man es bereit,
Die niedersinkt an ihrer Todtenbahr.
Doch ich, du theures Kind, ich wünsche Dir,
daß, wie am ersten und am letzten Tag,
Dir dieß Gewand, der Unschuld ew'ge Zier,
An jedem anderen auch geziemen mag.
Dir schmückt die junge Brust ein Myrthenzweig,
Und eine Rosenknospe glänzt dabei,
O, werde Du der frommen Myrthe gleich
Damit dein Schicksal das der Rose sey.
Sie trägt nicht immerdar das freud'ge Roth,
Wenn sie sich löst aus ihrer Knospe Grün,
Doch ob sie auch so bleich ist, wie der Tod,
Ihr Kelch bewahrt ein letztes stilles Glühn.
Fr. Hebbel
Der deutsche Dramatiker Friedrich Hebbel (1813 – 1863) erwarb 1855 dieses Haus in Gmunden am Traunsee (Österreich). Hier schrieb er die Nibelungen-Trilogie und das Epos "Mutter und Kind".
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