Joachim Ringelnatz war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der am 7. August 1883 geboren wurde und am 17. November 1934 verstarb. Als Hans Gustav Bötticher in Wurzen geboren, wuchs Ringelnatz in Leipzig auf, wo sein Vater als humoristischer Verseschreiber und Kinderbuchautor arbeitete. Die künstlerische Ader lag in der Familie, denn auch seine Mutter war kreativ tätig. Seine Schulzeit empfand Ringelnatz als schwierig, da er sich von Lehrern und Mitschülern gehänselt fühlte und sich in Trotz und Schreiben flüchtete. Nach der Schule versuchte sich Ringelnatz als Seemann, eine Zeit voller Entbehrungen und harter Arbeit. Er heuerte auf verschiedenen Schiffen an, erlebte aber auch Phasen der Arbeitslosigkeit und Armut. Später übte er über dreißig verschiedene Berufe aus, darunter auch Aushilfsjobs. Trotz des Wunsches nach einem Studium der Handelswissenschaften, scheiterte dies am Widerstand des Vaters. 1909 begann eine entscheidende Phase, als Ringelnatz in der Münchner Künstlerkneipe Simplicissimus auftrat und dort schnell zum Hausdichter avancierte. Er veröffentlichte Gedichte und Essays in der Zeitschrift Simplicissimus und brachte 1910 seine ersten Bücher heraus. Im Ersten Weltkrieg meldete sich Ringelnatz freiwillig zur Marine, war aber enttäuscht, nicht an vorderster Front eingesetzt zu werden. Nach dem Krieg und dem Tod seiner Eltern wandte er sich dem Schreiben unter dem Pseudonym Joachim Ringelnatz zu. In den 1920er Jahren heiratete Ringelnatz und feierte Erfolge als Kabarettist in Berlin und auf Tourneen. Er veröffentlichte seine bekanntesten Gedichtsammlungen, darunter "Kuttel Daddeldu oder das schlüpfrige Leid". Neben dem Schreiben widmete sich Ringelnatz intensiv der Malerei und stellte seine Werke aus. Nach dem Aufstieg der Nationalsozialisten erhielt Ringelnatz Auftrittsverbote und seine Bücher wurden verbrannt. Verarmt und von Krankheit gezeichnet, starb Joachim Ringelnatz 1934 in Berlin.
Zitate von Joachim Ringelnatz
Das ist ein Symbol für das Leben.// Immer aufwärts, himmelan streben!// Feste zieh! Nicht nachgeben!
Quelle
Klimmzug. Turngedichte. Kurt Wolff Verlag München, 1923, S. 13
Daß bald das neue Jahr beginnt, // Spür ich nicht im Geringsten. // Ich merke nur: Die Zeit verrinnt // Genau so wie zu Pfingsten.
Quelle
Silvester. In: Allerdings. Berlin: Rowohlt, 1928. S. 130
Der Fußballwahn ist eine Krank- // Heit, aber selten, Gott sei Dank. // // Ich warne euch, ihr Brüder Jahns, // Vor dem Gebrauch des Fußballwahns!
Quelle
Fußball (nebst Abart und Ausartung). In: Turngedichte, Kurt Wolff Verlag, München 1923, S. 31ff.
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Der Schnee ist weiß, wo nicht Menschen sind. // Der Schnee ist weiß für jedes Kind.
Quelle
Schnee. In: 103 Gedichte. Berlin: Rowohlt, 1933. S. 46f.
Die Nachtigall ward eingefangen, // Sang nimmer zwischen Käfigstangen.
Quelle
Großer Vogel. In: Der Nachlaß. Berlin: Rowohlt, 1935. S. 14
Ein kleiner Spuk durch die Dampfheizung ging. // Keine Uhr war aufgezogen. // Ein zu früh geborener Schmetterling // Kam auf das Schachbrett geflogen.
Quelle
Heimliche Stunde. In: 103 Gedichte. Berlin: Rowohlt, 1933. S. 93
Es lohnt sich doch, ein wenig lieb zu sein // Und alles auf das Einfachste zu schrauben.
Quelle
Es lohnt sich doch. In: Gedichte dreier Jahre. Berlin: Rowohlt, 1932. S. 26
Es war eine Schnupftabaksdose, // Die hatte Friedrich der Große // Sich selbst geschnitzelt aus Nußbaumholz. // Und darauf war sie natürlich stolz.
Quelle
Die Schnupftabaksdose. In: Kuttel-Daddeldu. München: Kurt Wolff, 1924. S. 99
Ich habe dich so lieb! // Ich würde dir ohne Bedenken // Eine Kachel aus meinem Ofen // Schenken!
Quelle
Ich habe dich so lieb. In: Allerdings. Berlin: Rowohlt, 1928. S. 7
Ich sterbe. Du stirbst. Er stirbt. Viel schlimmer ist, wenn ein volles Faß verdirbt.
Quelle
Seemannsgedanken übers Ersaufen. In: Kuttel-Daddeldu. München: Kurt Wolff, 1924. S. 29f.
Manche Leute verneigen // Sich gern vor Leuten, die ernsten Gesichts // Langdauernd schweigen.
Quelle
Schweigen. In: Gedichte dreier Jahre. Berlin: Rowohlt, 1932. S. 77
Mir graust. // Das Frauenzimmer ist abgesaust.
Quelle
Fallschirmsprung meiner Begleiterin. In: Flugzeuggedanken. Berlin: Rowohlt, 1929. S. 10
Schenke mit Geist ohne List. // Sei eingedenk, // Daß dein Geschenk // Du selber bist.
Quelle
Schenken. In: Allerdings. Berlin: Rowohlt, 1928. S. 14
Überall ist Wunderland. // Überall ist Leben!
Quelle
Überall. In: 103 Gedichte. Berlin: Rowohlt, 1933. S. 7
Wenn sich die Giraffen recken, // Hochlaub sucht die spitze Zunge, // Das ihnen so schmeckt, wie junge // Frühkartoffeln mit Butter mir schmecken.
Quelle
Giraffen im Zoo. In: 103 Gedichte. Berlin: Rowohlt, 1933. S. 19
Wenn sich der Himmel grau bezieht, // mich störtʼs nicht im geringsten. // Wer meine weiße Hose sieht, // der merkt doch: Es ist Pfingsten.
Quelle
Pfingstbestellung. In: Gedichte dreier Jahre. Berlin: Rowohlt, 1932. S. 15Joachim Ringelnatz wurde in Wurzen, Deutschland, geboren.
Die Federzeichnung ist eine Satire auf den Dorftratsch.
Es war das Weihnachtsgeschenk 1929 von Joachim Ringelnatz an Franz Wagner (Kapellmeister) und seine Frau Josephine.
Joachim Ringelnatz (Hans Bötticher)
An der Kaimauer
1925
Oil on canvas.
26.5 x 35.5 cm.
Framed.
Signed and dated 'J. Ringelnatz 25' in black lower left. Titled "An der Kaimauer" verso on the stretcher, presumably by the artist. - With minor retouches.
Bildnachweis
Bildquelle: Liner_Roma.jpg Autor: Wikipedia / Joachim Ringelnatz Lizenz: gemeinfrei
Joachim Ringelnatz
Liner Roma, 1924
mounted, partly colored and full-page pictures
Painting
19 x12 cm
Signed, Erste Ausgabe
Joachim Ringelnatz (1883 Wurzen/Sachsen - 1934 Berlin).
Parklandschaft.
1926
Oil on canvas .
Signed and dated lower left.
40 x 48 cm (15,7 x 18,8 in). [NB].
Handschriftliche Notiz von Joachim Ringelnatz an seinen Freund Professor Otto Linnemann, einen bekannten Glasmaler.
26.April 1929
Lieber Otto Linnemann,
Was ich dir im Grunde Gutes
Sagen könnte oder kann,
auf Verschwiegenem beruht es.
Immerhin und immerher -
In Respekt vor deinem Glase
Heb ich meins und meine Nase,
Prost! Ich liebe dich so sehr.
Joachim Ringelnatz
Hintere Umschlagseite des Büchleins Ein Weihnachtsabend mit Joachim Ringelnatz, Reclam-Verlag, Stuttgart 2021, mit Teilabdeckung zum Urheberrechtsschutz